Briefe auf Papier
7. Mai 2013 von Martine
So schön kann Post sein …
7. Mai 2013 von Martine
So schön kann Post sein …
7. Mai 2013 von Martine
In früheren Jahren habe ich meinen Briefkasten geliebt. Er war immer liebevoll, treu und zuverlässig: Jeden Tag aufs Neue – außer an den nicht zuletzt deshalb verhassten Sonntagen – war er voll, jeden Tag aufs Neue brachte er Freude in mein Leben. Er barg jede Menge Briefe aus allen möglichen Ländern, bunte Postkarten und gefütterte Umschläge mit allerlei Überraschungen. Er war mein Reisebüro, meine Wärmespendemaschine und mein Sozialleben. Ebenso liebte ich den Briefkasten, der vor dem winzigen, nur wenige Schritte von meiner damaligen Wohnung entfernt gelegenen Postamt stand: Er verband mich mit allen Menschen, die mir etwas bedeuteten, er war der Ausgangspunkt, von dem aus meine Gedanken zu ihnen in aller Welt gefahren, geflogen oder verschifft wurden.
Dinge ändern sich. Das kleine Postamt gibt es nicht mehr, Freundschaften zollten Berufswahl und zu unterschiedlichen Lebenswegen Tribut und entschliefen. Nach und nach verschwand alles Private aus meinem Briefkasten, behördliche Mitteilungen und paar harmlose Rechnungen teilen sich ab und zu den leer gebliebenen Raum. Für mich gehört dies zu den traurigsten Erfahrungen, die das Leben und das Alter mit sich bringen.
Hier zeigt sich auch, wie sehr sich die – mittlerweile nicht mehr ganz – neuen Medien von den alten unterscheiden. Ich habe es andernorts bereits erläutert: eMails haben in keinerlei Hinsicht Briefcharakter. Sie wurden als rasches Kommunikations- und Informationswerkzeug konzipiert und erfüllen lediglich diese Aufgabe.
Selbst im privaten Bereich bleiben sie notwendigerweise oberflächlich und kurzlebig – wer druckt schon jeden Zweizeiler aus, um ihn zu archivieren? eMails sind immer aktuell und kommen gerade deshalb über die eigene Aktualität nicht hinaus, bleiben für die Welt- und Literaturgeschichte wie für die persönliche auch in höchstem Maße ahistorisch.
Auch emotional sind sie nicht in der Lage, als Surrogat zu fungieren. Das Gefühl, das eine vertraute Handschrift, die sorgfältig ausgewählte Briefmarke, die Dicke des Umschlags beim Öffnen des Briefkastentürchens vermitteln, hat eine andere Qualität als das bloße Entdecken einer bekannten Absenderadresse in der Liste des elektronischen Postfachs. Briefe sind nie selbstverständlich: Sie verlangen gleichermaßen von Autor und Adressat ein gewisses Maß an Zeit, an “Mühe”, an Bereitschaft, das eigene Leben für ein paar Augenblicke zu vergessen und zurückzustellen und sich auf den Anderen ganz und gar einzulassen. eMails bleiben nur ein Transportmittel für Fakten und bedeuten nur in sehr seltenen Ausnahmefällen ein wahren, echten, tiefen und intimen Austausch. Vergleiche ich frühere Briefe von Freunden mit ihren heutigen eMails – so sie überhaupt noch schreiben -, erkenne ich die Person hinter den Worten kaum wieder, und das hat nichts mit der eigenen Entwicklung zu tun. Sie haben kaum noch Inhalt und aus Gesprächen ist Belangloses geworden.
Es haben nicht wenige schon vor mir beschrieben und mitunter wissenschaftlich untersucht, wie sehr die Tatsache, dass mit der Hand oder mit einer Tastatur geschrieben wird, insbesondere im rein privaten und freundschaftlichen Bereich die Korrespondenz auch inhaltlich verändern kann. Neurologen, Soziologen, Anthropologen und Psychologen haben sich hinreichend damit beschäftigt. Doch ihre Erkenntnisse sind kein Trost.
So bleibe ich zurück – mit der Sehnsucht nach meinem geliebten Briefkasten.
NACHTRAG: Zufällig gerade entdeckt: http://www.ted.com/talks/lakshmi_pratury_on_letter_writing.html
7. Mai 2013 von Martine
Schreibende leben oft ein wenig “anders”. Es betrifft Arbeitszeiten, Einkommensverhältnisse, soziales Umfeld und vieles mehr. Schreibende denken hier und da vielleicht auch „anders“. In einem Punkt aber unterscheiden sie sich nicht von allen anderen Menschen auch: in ihrer Beziehung zu technischen Werkzeugen.
Es gibt die „Ganz-und-gar-Begeisterten”. Sie betrachten den Computer als größten Segen seit Entstehung der Schrift, wechseln alle zwei Jahre das Gerät, haben immer das neueste Betriebssystem und die neueste Software, das neueste Mobiltelefon mit Internetzugang, haben seit Jahren keine Briefmarken mehr gekauft, und ihr Terminkalender ist samt Notizbuch längst ausschließlich auf vernetzten elektronischen Gerätschaften zu finden. Interessanterweise und wider Erwarten ist dies weder alters- noch geschlechtsspezifisch. Ihre frühere Arbeitsweise mit Handschrift und/oder Schreibmaschine – so sie der entsprechenden Generation angehören – ziehen sie gern ins Lächerliche und bezeichnen sie als altmodisch, unpraktisch, ineffizient, untragbar. Berühmte Namen in dieser Kategorie sind Elfriede Jelinek und Siri Hustvedt.
Es gibt die “Gewohnheitstiere”, die ihre Schreibinstrumente niemals geändert haben. Peter Handke schreibt mit Bleistift, Paul Auster mit einer Olympia-Schreibmaschine, Günter Grass bleibt bei seiner Olivetti. Mit mangelnder Flexibilität hat diese oberflächlich betrachtet sture Treue wenig zu tun, und sie sollte auch nicht vorschnell als mangelnde Neugier gedeutet werden. In der engen Verbindung zwischen Schreibendem und Text ist das durch die Vertrautheit des Schreibgerätes gesicherte Wohlbefinden ganz entscheidend: Der Geist kann nur dann frei und gelöst arbeiten, wenn das, was er nutzt, ihm so natürlich vorkommt, dass er es vergessen kann. Zwischen der bequemen Gewohnheit des sprichwörtlichen alten Schuhs, animistischer Furcht und Qualitätskontrolle einerseits und natürlicher Verlängerung des eigenen Körpers andererseits wird das Schreibinstrument oder zumindest die Schreibtechnik zum unabdingbaren Teil des Schreibprozesses.
Dazwischen bewegen sich die “Konvertiten”, die entweder aus Vernunft oder Resignation den Wechsel zum Computer vollzogen haben. Sie nutzen ihn als Schreibmaschine, Speicherplatz und Archiv, besitzen aber dennoch einen Terminkalender und ein Adressbuch aus Papier.
Ich gehöre zugegebenermaßen zur dritten Sorte.
Als ich zu schreiben begann, war mein erstes Arbeitsgerät ein schwarzer BIC-Kugelschreiber. Was abgegeben werden musste, wurde noch einmal der Lesbarkeit halber mit dem Füller in blauer Tinte säuberlich und mit großem Zeilenabstand abgeschrieben, bevor ich es der Schreibkraft meines Vertrauens zum Abtippen gab. Gegen Ende des Studiums aber erwies sich diese Praxis immer mehr als zu zeitraubend, und ein Jahr, bevor ich promovierte, schenkte mir mein Großvater eine mechanische Olympia-Reiseschreibmaschine. Ich schrieb meine Texte weiterhin vor, konnte sie aber von da an schneller fertigstellen, da ich nicht mehr auf freie Kapazitäten anderer angewiesen war. Tippen (mit drei Fingern!) erwies sich nicht als meine Lieblingsbeschäftigung: die Finger schmerzten schnell, und letztlich war ich erleichtert, als ich mein Manuskript endlich abgeben durfte. Als sich dann nach einigen Wechselfällen des Schicksals – nicht zuletzt gesundheitlicher Natur – ergab, dass ich von der Ware “Text” würde leben müssen, wechselte ich zu einer elektrischen Gabriele 9000 mit Korrekturtaste und leichtgängigerer Tastatur. Meine gute mechanische Olympia behielt ich aber aus Sentimentalität und als Ausweichmöglichkeit. Ich habe sie heute noch, wenn auch im Keller.
Von mir aus hätte es dabei bleiben können: Ich schrieb vor, tippte ab, und dieser Komfort eines unsichtbaren Korrekturbands schien mir absolut ausreichend. Doch nach und nach verlangten immer mehr Kunden die Abgabe der Aufträge in Form von Dateien, und ich musste mich dem für mich unverständlichen und überheblichen Diktat des Marktes beugen. Glücklicherweise wurden die Computer immer kleiner, und ich besitze heute nur noch ein Laptop, das als selbstverständliches, wenn auch nicht geliebtes Instrument sein Dasein auf meinem Schreibtisch fristet.
Vor etwa fünf Jahren beschloss ich in einem Anflug konsequenter Sparsamkeit, unnötigen Papierverbrauch abzuschaffen und den Computer nicht nur als Schreibmaschine mit dem Vorteil der beinahen Geräuschlosigkeit und zur Speicherung von Aufträgen zu nutzen, sondern auch meine bis dahin auf Papier in entsprechenden Büchern stattfindenden Buchhaltung, Kunden- und Auftragsverwaltung direkt am Computer vorzunehmen.
Glücklich wurde ich damit nicht und habe in diesem Jahr beschlossen, viele Dinge wieder auf Papier umzustellen. Es ist für mich effizienter und beruhigender.
Zunächst gibt es nichts Sichereres als Papier: Ich muss mich nicht mehrmals am Tag ängstlich fragen, ob ich wirklich genug Backups und andere Sicherheitskopien gemacht habe. Eine in ein Heft mit Kugelschreiber geschriebene Information bleibt dort für alle Zeiten geschrieben, es sei denn, das Haus würde komplett abbrennen – Kugelschreiber widersteht sogar der Wirkung von Wasser und der meisten Chemikalien.
Papier ist auch deshalb ein Sicherheitsfaktor, weil es menschliches Versagen zu einem viel größeren Teil ausschließt. Natürlich ist es auch möglich, sich auf Papier zu verschreiben. Allerdings geschieht es aber seltener, und ein Fehler wird auch schneller während des Schreibvorgangs selbst bemerkt. Zahlendreher etwa sind unwahrscheinlicher. Zudem schließt Papier alle Fehler aus, die sich aus tückischen Fehlerquellen ergeben. Wer hat nicht schon in einem Text an beliebiger Stelle die Buchstaben “dc” eingefügt, als er die Datei schließen wollte?
Papier spart Zeit. Auch wenn es das Tippen ermöglicht, in kürzerer Zeit größere Textmengen zu erfassen, ist der Zeitgewinn in der Tat illusorisch: Nicht nur die Zeit für das Sichern der Dateien, das Kopieren auf mehrere Sticks und Festplatten muss hinzugerechnet werden, sondern es müssen auch die “Zwischenereignisse” berücksichtigt werden. Fragt ein Programm nach Bearbeiten einer Datei, ob man die vorgenommenen Änderungen speichern möchte, während man selbst der Meinung ist, man hätte es getan, muss in mühsamer Kleinarbeit geprüft werden, was die angesprochene Änderung sein soll, ob sie gewollt war oder aus Versehen geschehen ist – möglicherweise, um festzustellen, dass nur ein Druckvorgang gemeint ist, der nichts mit dem tatsächlichen Inhalt zu tun hat. Nach einem Eintrag in ein Papierbuch wird das Buch ohne Zweifel und ohne zeitraubende Kontrolle einfach geschlossen.
Papier ist wirtschaftlicher. Wer wirklich verantwortungsbewusst mit den auf dem Computer gespeicherten Daten umgehen will, muss sie zusätzlich auf USB-Sticks und mehreren inhaltsgleichen externen Festplatten archivieren, damit sie auch wieder zugänglich werden, wenn der Computer eines schlechten Tages beschließen sollte, zu seinen Ahnen zu gehen. Zur Sicherheit empfiehlt es sich ohnehin, wirklich wichtige Dinge zudem auszudrucken. Dies gilt zum Beispiel für steuerlich relevante Unterlagen, die dem Gesetz nach “jederzeit wieder auf Papier lesbar gemacht werden können müssen”, wie mein Steuerberater es ausdrückt. Den teuren Umweg über mehrere Speichermedien und den Papierausdruck kann man sich also getrost sparen, indem/wenn man direkt mit altertümlichen Methoden arbeitet.
Mittlerweile habe ich schon vieles auf Papier zurückumgestellt. Telefonische Anfragen und mündlichen Austausch zu bestimmten Projekten etwa speichere ich nicht mehr als Datei ab, ich notiere sie wieder samt Inhalt der Besprechung in ein Moleskine-Heftchen. Ich genieße die Ruhe und die Sicherheit, die mir meine Heftchen und Bücher geben.
Mit Papier zu arbeiten, ist auch ein Weg, einen Teil des Übermaßes an Verantwortung, das heutzutage immer mehr zu unserem Leben gehört, zu entschärfen. Meine Passwörter kann niemand hacken, denn ich habe sie nicht auf dem Computer. Die Kontaktdaten meiner Kunden sind in einem Papieradressbuch und einem Holzkarteikasten „gespeichert“. Ich kann sie sogar bei Stromausfall anrufen. Alle Informationen, die ich benötige, könnte ich – überspitzt ausgedrückt -, auch im Falle einer wochenlangen weltweiten Panne der Strom- und Internetnetze einsehen. Ein gutes Gefühl.
Mein Computer ist also wieder zu dem geworden, was er einmal war: eine besonders praktische, schnelle und leise Schreibmaschine.
NACHTRAG: Zufällig gerade entdeckt: Der Mythos des papierlosen Büros
24. April 2013 von admin
Aufgrund der großen Nachfrage wird Papier-Tinte-Schrift in den kommenden Wochen wieder gestartet. Wer möchte, dass das Blog erhalten bleibt, kann gern den PayPal-Button betätigen – denn Papier und Tinten zu kaufen, kostet leider Geld. Gern können mir auch Papiere, Notizblöcke, Tinten und Schreibgeräte zu Rezensionszwecken zugesendet werden. Hierzu bitte Kontakt über die Kommentarfunktion oder per eMail aufnehmen.
16. November 2010 von Martine Paulauskas
TextLoft veröffentlicht unter dem Titel “Mit deutschem Bier zur Loft Attitude?” eine Rezension zu Gmunds Bier-Papier-Kollektion.
8. November 2010 von Martine Paulauskas
Teil III: Praxistest
Nach der Erstellung des Grundmusters muss die Tinte einem Praxistest unterzogen werden.
Dies bedeutet zunächst, dass nun mit allen Schreibgeräten und auf allen Medien geschrieben werden sollte, die später auch verwendet werden. Um einen zuverlässigen Eindruck des Schriftbildes zu bekommen, sind Texte von etwa 80 Zeilen Länge oder mehr geeignet, die bei üblicher Schreibgeschwindigkeit und Schriftgröße geschrieben werden. In einem Satz ausgedrückt: “Schreiben Sie jetzt, wie Sie es immer tun – und das möglichst lange.” Je nach Schreibgerät oder Schreibgewohnheit kann es notwendig und hilfreich sein, eine volle Konverterfüllung zu verschreiben und diesen Vorgang für jede Papiersorte zu wiederholen.
Wer regelmäßig unterschiedliche Tinten testet, sollte die Probeseiten wie bei der Erstellung des Grundmusters auch beschriften und archivieren.
Noch einige Grundsätze sind zu beachten:
– Die Trocknung kann Farbton und Farbintensität beeinflussen. Betrachten Sie Ihre Proben also nicht nur unmittelbar nach dem Schreiben, sondern auch am nächsten Tag und nach weiteren sieben bis zehn Tagen erneut.
– Überlegen Sie, ob es Ihnen wichtig ist, dass die Tinte sowohl bei Tageslicht (Sonne und Schatten) als auch bei künstlichem Licht annähernd gleich aussieht.
– Tinten und Schreibgerät gehen eine enge Verbindung miteinander ein. Wenn sich auch mit viel gutem Willen und gegenseitigen Bemühungen kein Konsens finden lässt, ist manchmal die Scheidung der letzt Ausweg. Ein wunderbarer Vorwand, um ein zusätzliches, neues Schreibgerät zu erwerben …
31. Oktober 2010 von Martine Paulauskas
Teil II: Das Grundmuster
Für das Grundmuster eignet sich ein DIN-A-4-Blatt am besten.
Zunächst sollte mit einem fast gesättigten Aquarellpinsel (bzw. einem runden Pinsel guter Qualität) der Stärke 12 am linken Rand des Blattes eine etwa 3 bis 4 cm breite Tintenspur von oben nach unten gezogen werden. Dies ermöglicht nicht nur eine erste Beurteilung des Farbtons an sich, hierdurch wird auch sichtbar, wie sich Pigmentdichte und -verteilung auf das tatsächliche Verhalten im eigenen Schreibgerät auswirken werden. Ist die Farbintensität im unteren Teil der Spur nicht viel schwächer als im oberen Teil, ist auch zu erwarten, dass sich die Farbe später relativ konstant in diesem Bereich bewegt. Ist im Gegenteil das Ende der Tintenspur wesentlich heller und erscheint es transparent oder gar wässerig, ist anzunehmen, dass die Tinte bei schmaleren Tintenleitern und z.B. F-Federn, aber auch unter Umständen bei sehr schnellem Schreibfluss und sehr langem Schreiben eher der blassen Variante entsprechen wird.

Nicht unwichtig kann die “Lauflänge” der Tinte sein. Viskosität etwa, oder auch Pigmentierung, haben eine direkte Auswirkung auf Trocknung und Fließverhalten. Um zu sehen, ob eine Tinte eher lang- oder kurzläufig ist, sollte versucht werden, einen kleinen Absatz mit dem Glasstift zu schreiben. Die Lauflänge einer Tinte steht nicht nur mit dem Verbrauch in Zusammenhang, sondern – zum Beispiel bei Verwendung einer Stahl- oder Zeichenfeder anstatt eines Füllfederhalters – mit dem Schreibkomfort: Je schneller eine Tinte am Glasstift austrocknet, um so häufiger muss später auch die Feder eingetaucht oder der Konverter nachgefüllt werden. Nicht zuletzt droht ein länger nicht benutzter Füller zu verstopfen. Die Lauflänge einer Tinte ist bei weitem nicht allein von ihrer Dichte, sondern auch von vielen anderen chemischen Faktoren abhängig, so dass sich nicht zwangsläufig aus ihrer optischen Erscheinung rückschließen lässt, wie sie sich beim Schreiben verhalten wird. Der Test mit dem Glasstift ist hier zuverlässiger und im übrigen schnell durchzuführen: Bereits 3 bis 4 Zeilen genügen, um ein Gefühl für die Lauflänge der Tinte zu ermitteln.
Bevor mit dem eigentlichen Schreibgerät getestet wird, sollte geprüft werden, wie sich die Tinte unter optimalen Flussbedingungen farblich entwickelt. Hilfreich ist hier das konsequente Schreiben eines längeren Absatzes oder gar eines ganzen Textes mit der Zeichenfeder. Eventuelle Eigenheiten oder Fehler, die von Feder, Tintenleiter oder Konverter verursacht werden könnten, werden so vollständig vermieden, und die Tinte zeigt ihr wahres Gesicht, was Farbe, Lauflänge, Fließverhalten, Geruch und Trocknung betrifft.
Danach sollte ein längerer Text – vorzugsweise bis zum unteren Seitenrand – durchgehend mit dem Schreibgerät geschrieben werden, in oder mit dem die Tinte später verwendet werden soll.
Tipp:
Auf der Rückseite des Grundmusters Hersteller und Farbe sowie das verwendete Schreibgerät notieren … und das Grundmuster archivieren.
24. Oktober 2010 von Martine Paulauskas
Teil I: Grundlagen
Mit Tinten-Samplern und –Farbkarten ist es nicht so einfach. Naturgemäß werden sie unter optimalen Bedingungen anhand optimaler Materialien hergestellt. Genau wie beim Aussuchen eines Füllfederhalters im Fachgeschäft das Probeschreiben nur begrenzt aussagekräftig ist und lediglich zur groben Grundorientierung dient, sind Tintenmuster aller Art mit Vorsicht zu genießen. Kaum jemand schreibt in der Echtsituation auf einem idealen Papier mit völlig identischer chemischer Zusammensetzung und perfekt übereinstimmendem Säuregehalt – von dem Einfluss von Federeigenschaften und Tintenleiter ganz zu schweigen.
Um böse Überraschungen bei der Auswahl einer Tintenfarbe zu vermeiden, ist es also ratsam, zu prüfen, wie sich die Tinte auf unterschiedlichen Untergründen und in unterschiedlicher Konzentration verhält.
Steht von Anfang an fest, zu welchem Zweck die Tinte verwendet werden soll – etwa für Korrespondenz auf einem bestimmten Briefpapier –, sollte zunächst auf diesem Medium getestet werden. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass sich der erzielte Eindruck mit der nächsten Post-, Geburtstags- oder Weihnachtskarte farblich grundlegend ändern kann. Ist der Gebrauch unterschiedlicher Schreibgründe geplant, empfiehlt sich, neben einem Grundmuster auf dem gebräuchlichsten Papier einen Textabsatz von mindestens 10 Zeilen auf jedem einzelnen Medium zu testen.

Hier wird deutlich, wie unterschiedlich sich das Papier auf die Tintenfarbe auswirkt.
Noodler’s Walnut auf Moleskine, Gohrsmühle und Clairefontaine.

24. März 2010 von Martine Paulauskas
Eine interessante Meldung erweckte heute die Aufmerksamkeit der Redaktion: Der Präsident der Vereinigten Staaten hat gestern in Sachen Schreibkultur neue Maßstäbe gesetzt.
23. März 2010 von Martine Paulauskas
(Triptychon Alba)
Ist es ein Foto eines Zeitungsstapels? Gekonnt zerknitterte und sorgsam zusammengelegte Seidentücher? Ist es Schrift auf einem großen weißen Blatt? Ist es Holz, dessen Fasern rau und glänzend die Flachheit des Blattes durchbrechen? Ist es Stein? Putz? Leinen?
Auf den ersten Blick scheint es nur schwer zu entscheiden. Denn Pierrette Vergne demonstriert in ihren Werken auf eindrucksvolle Weise die ganze Vielseitigkeit des Papiers.
Gerade die Fläche, das ebene Blatt, wird zur Tiefe, zur Struktur, zum sylphengleichen Volumen und enthüllt die wahre Schönheit des Materials. Farbe und Tinte dienen hier nicht dem Ausdruck, sie sind Katalysatoren der Harmonie.
Fernöstliche Einflüsse blitzen auf – Zen und Feng Shui in ihrer puristischen Suche nach der Erhabenheit des Werkstoffs an sich, in ihrer Hingabe zur Struktur als Ästhetikum. Der Weg zwischen poetischer Zerbrechlichkeit und unausweichlicher Präsenz führt zurück in die römisch-griechische Antike, vorbei an den Arbeiten längst verschwundener Steinmetzwerkstätten, bis hin zu den lauten Marktplätzen nahöstlicher Welten mit ihren Pigmenttöpfen und ihren mit bunten Wollknäueln beladenen Körben. In der handwerklichen Komplexität des filigranen künstlerischen Prozesses entsteht Ursprünglichkeit, unnachahmliche Natürlichkeit, eine bedingungslos sinnliche, manchmal auch kraftvoll zeitlose und monumentale Ebene.
Pierrette Vergnes Werke sind eine Reise. In die Tiefe und Reinheit der Materie.
(Blue Note)
Die Homepage der Künstlerin gibt Auskunft über ihre Biographie, ihre Arbeitstechniken, sowie aktuelle und künftige Ausstellungen. Besonderen Hinweis verdient die gut bestückte Galerie.
Für weitere Informationen:
www.papierart.fr
Papier – Tinte – Schrift dankt Pierrette Vergne für die kostenlose Überlassung der Abbildungen zu diesem Artikel.
(Moucheture – Sprenkel)
(Soliflores – Soliflore)
Urheberrechte für die Abbildungen liegen bei Pierrette Vergne.