Sie arbeiteten mit Papier, Tinte und Schrift

Für Schreibende und Kunstschaffende haben die Ereignisse der letzten Tage noch eine viel tiefgreifendere, sensiblere und umfassendere Dimension, als es für diejenigen der Fall sein kann, die nicht in diesem Bereich arbeiten und das Geschehen eher auf einer menschlichen oder politischen Ebene rezipieren. Der wöchentliche Bericht zum Follow-Friday von TextLoft auf Facebook und Google# fällt heute deshalb etwas anders aus als sonst.

Der Kolumnist von Charlie Hebdo, Patrick Pelloux, betonte in seinem eindrucksvollen und erschütternden gestrigen Fernsehinterview (für diejenigen, die ein wenig des Französischen mächtig sind: das Interview) auf sehr offene und entwaffnende Weise, wie wichtig die Gesten der „Je suis Charlie“-Bewegungen für ihn selbst, die anderen wenigen Überlebenden und die Freunde und Familien der Opfer sind.
Vielleicht sind diese schwarzen Kärtchen und die hochgehaltenen Stifte nur ein leeres Zeichen, eine naive und hilflose Pose. Sie ändern weder das Geschehene, noch die Zukunft. Aber wenn sie den mutigen Journalisten und Zeichnern von Charlie Hebdo Trost, Halt und Kraft spenden – und Patrick Pelloux’ unmissverständlich aufrichtige Worte lassen daran keinen Zweifel – haben sie dennoch einen Sinn.

Im Gedenken an Honoré, Charb, Cabu, Wolinski, Tignous, Bernard Maris, Elsa Cayat, Michel Renaud, Mustapha Ourad und Frédéric Boisseau.

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Papierwaren: Von Schrullen und Nöten

Wenn es um Schreibwaren geht, bin ich entsetzlich kleinlich, wählerisch und unflexibel. Ich habe sehr festgefahrene Gewohnheiten und werde unleidlich, wenn ich sie nicht ausleben kann. Meine Papierwaren müssen meinen sehr eng gefassten ästhetischen Maßstäben gerecht werden, welche wiederum bei weitem nicht für jeden – wohl eher für überhaupt niemanden – nachvollziehbar sind.

Der Grund dafür liegt in der Natur der Sache: Jeder Schreibende braucht für seinen Arbeitsprozess bestimmte Grundbedingungen. Manch einer kann Lärm nicht ertragen, ein anderer schreibt nur an der frischen Luft, andere erschaffen sich Rituale, indem sie zum Beispiel zu festen Tageszeiten arbeiten, immer dieselbe Schreibmaschine verwenden oder nie zu schreiben beginnen, ohne eine Tasse Kaffee oder Tee zur Hand zu haben. Was sich dahinter verbirgt, ist ein Grundbedürfnis und ein Allgemeinplatz: Schreiben ist nur möglich, wenn der Kopf frei ist und alles „stimmt”.

Bei mir ist der entscheidende Faktor das „Werkzeug” im erweiterten Sinne. Wenn es nicht passt, wenn es auf unangenehme Weise die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, anstatt mit mir und meiner Denkweise zu verschmelzen, erfüllt es seine Aufgabe nicht. Dabei kann es um konkrete praktische Funktionen gehen, oder aber ebenso um Dinge, die das Auge – genauer gesagt in diesem Fall mein ziemlich überspitztes und ganz und gar kompromissfremdes Schönheitsempfinden – stören. Das, was ich zum Schreiben, aber auch für die Verwaltung meiner Arbeit (be)nutze, muss also mit mir im Einklang sein, damit ich mich wohlfühle und unbeschwert schreiben kann.

Diese seltsame Eigenart kann zu langwierigen Suchabenteuern führen, neben denen die Prüfungen eines Parzival und die Forschungen eines Indiana Jones wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang anmuten. So habe ich etwa dreißig verschiedene braune Tinten ausprobiert, bevor ich Diamines Row Sienna entdeckte, die allerdings „nur” zu 95 % der Idealfarbe gleichkommt. Den perfekten Aktendeckel – cognacfarben und aus einer sehr präzisen Kartonqualität muss er sein – suche ich noch immer; es gibt ihn, nur nicht in Deutschland oder von Deutschland aus zu kaufen.

Habe ich wiederum „das Richtige” für mich gefunden, entsteht eine sehr innige Verbindung, die, wenn es nach mir geht, ein Leben lang andauern kann. Problematisch wird es, wenn ein solches Lieblingsprodukt eines Tages vom Markt genommen wird, ohne dass ich die Möglichkeit habe, einen ausreichenden Vorrat anzulegen.
So gab es in der 80er-Jahren in jedem Copy-Shop bestimmte Karteikastenregister aus Pappe, die in den Farben rosa, blau, grau, gelb und grün in beschrifteter und unbeschrifteter Variante angeboten wurden. Für meine Bedürfnisse und meinen Geschmack waren sie perfekt. Als ich in diesem Jahr versuchte, genau diese Reiter nachzukaufen, stellte ich mit Entsetzen fest, dass es sie nicht mehr gibt. Mit den verschiedentlich angebotenen Scheußlichkeiten aus Holz, Plastik oder Spanmaterial konnte ich mich nicht anfreunden. So griff ich in Ermangelung passenden Werkzeugs und Ausgangsmaterials zum Trost zumindest zu einem schönen Karton.

Aus Römerturms Die Natürlichen in der Variante Stroh, einem minimalistisch gerippten Naturkarton mit Einschlüssen aus echtem Stroh, entstanden für meinen Blogplan 2014–2015 diese Trenner.

Was soll man sonst tun, wenn aus der Schrulle Not wird?

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www.mein-notizbuch.com

Mit Notizbüchern ist es so eine Sache. Hat man das richtige Format gefunden, stimmt vielleicht der Einband nicht. Oder die Lineatur ist ungeeignet. Es wäre doch ein Traum, sich ein Notizbuch nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten zu lassen.
www.mein-notizbuch.com, ein relativ junges Unternehmen mit frischem und unkompliziertem, ansprechendem Internetauftritt, behauptet, genau das anzubieten, und gab mir die Gelegenheit, den Vorgang und das fertige Produkt zu testen.

Die Idee und der Bestellvorgang
Das Prinzip ist einfach: Unter einer Reihe von Notizbuchmerkmalen wie Einband, Lineatur, Ausstattung kann modular gewählt und zusammengestellt werden, was gefällt.
Zwei Produktqualitäten („Classic“ und „Premium“) und zwei Formate (A5 und A6) stehen zur Auswahl. Ich habe mich für Premium entschieden, weil mir das flache Gummibändchen besser gefiel als das runde der Classic-Reihe, und für mein Lieblingsformat, A5.
Die Seite ist sehr gut designed und dadurch selbsterklärend. Auch sehr unbeholfene Nutzer, wie ich in solchen Fällen normalerweise einer bin, finden sich sofort und intuitiv zurecht, was recht erfrischend ist. Man begreift auf Anhieb, was wie möglich ist, und muss sich weder durch ein Dickicht aus Menüs oder kryptischen Grafiken, noch durch FAQs durchquälen, um ans Ziel zu kommen.
Besonders angenehm ist die Tatsache, dass man sich zu keinem Zeitpunkt in einer Entscheidung gefangen fühlt: Man kann jederzeit alles ändern, ohne gleich wieder von vorn beginnen zu müssen. Es ist möglich, einen einzelnen Schritt zurückzugehen oder aber direkt zu dem Punkt zurückzuspringen, der überdacht werden soll. Man muss nicht alles wieder entfernen, um Details zu ändern, man muss nicht den gesamten Vorgang wiederholen, um alles umzuwerfen. Alles ist an jedem Punkt möglich. Und das bis zur letzten Sekunde.
Die Seite ist schnell im Aufbau, so dass keine umständlichen Ladezeiten die Zusammenstellung des Büchleins trüben. Insgesamt ist die Programmierung der Seite sehr durchdacht und sogar als ideal zu bezeichnen. Es entsteht ein Eindruck von grenzenloser Freiheit und Flexibilität, der Spielfreude und Kreativität fördert. Man vergisst die Zeit und hat von Beginn an unendlichen Spaß.

Der Einband
In der Classic-Ausgabe besteht der Einband aus laminiertem Karton, in der Premium-Variante aus Lederfasern. Ich konnte mir unter dieser Bezeichnung nichts Konkretes vorstellen, und meine Erwartungen waren daher eher gemischt. Tatsächlich handelt es sich um ein sehr dickes, stabiles und hochwertiges Material, das herrlich wie ein Schuhgeschäft duftet. Schon an diesem Punkt ist das Preis-/Leistungs-Verhältnis als hervorragend einzustufen.
Die Gestaltung des Einbands lässt keine Wünsche offen. Es ist eher fast schwierig, sich zwischen all den Möglichkeiten zu entscheiden. Vorder-und Rückseite können unabhängig von einander entworfen werden. Es stehen 28 Farben für Text und Hintergrund zur Auswahl, und 10 Farben für das Gummiverschlussbändchen. Geschmückt werden kann der Einband auf Vorder- und/oder Rückseite entweder mit fertigen Designs oder mit eigenen Fotos oder Grafiken, die unkompliziert hochgeladen, ausprobiert, wieder entfernt und ausgetauscht werden können. Für den Text, der auch nach Wunsch ganz weggelassen werden kann, stehen vier Fonts zur Auswahl. Die Schriftgröße passt sich automatisch der Textlänge an.

Das Innenleben
Selbst, wenn man noch nicht entschieden hat, wie der Einband aussehen soll, kann man den Gedanken auf später verschieben und sich dem Hauptteil des künftigen Notizbuchs widmen.
Für die erste Innenseite kann man ein Titelblatt gestalten … oder auch nicht, ganz nach Wunsch. Ist man ganz ratlos, kann man auf die angebotenen Anregungen zurückgreifen.
Wie die Seiten aussehen sollen, lässt sich ebenfalls modular zusammenstellen. Fünf Lineaturen (blanko, liniert, kariert, Punkte, Partitur) stehen zur Auswahl und können für rechte und linke Seiten unterschiedlich sein. Wer also links zeichnen und rechts schreiben will, kann Seiten bestellen, die auf der Vorderseite liniert und auf der Rückseite blanko sind. Mehr noch – es ist möglich, in einem Notizbuch bis zu drei verschiedene Arten von Lineaturen einbinden zu lassen.
Wer ein Themennotizbuch haben möchte, findet auf der unteren Leiste bereits 8 fertige Designs – neue Themen sollen demnächst hinzukommen. Bei den vier Lineaturmöglichkeiten darf man auch entscheiden, ob der Druck bis zum Seitenrand oder bis zur Bindung gehen soll. Eine Aufteilung in Spalten (2 oder 3) und das Hinzufügen einer Zeitleiste gehören zu den zusätzlichen Optionen.

Der Abschluss
Sind alle Entscheidungen getroffen, kann die Bestellung erfolgen. Auch hier ist die Programmierung besonders zu loben: Deutlich sichtbare und unmissverständliche Schaltflächen, eindeutige Aussagen und ein ästhetisch frisches und funktionales Design runden die Freude ab, die auch das Gestalten geprägt hat.

Das Notizbuch
Mein Notizbuch erreichte mich viel schneller, als ich es erwartet hatte, und es war nicht die einzige angenehme Überraschung.
Der Einband in der Premium-Variante ist sehr hochwertig und wirklich so unverwüstlich, wie die Werbung es verspricht. Noch verblüffender aber ist die Druckqualität. Ich hatte ganz absichtlich ein Foto ausgesucht, das für Druckereien erfahrungsgemäß eine echte Herausforderung darstellt. Schließlich sollte es sich um einen Test handeln. Das Ergebnis ist mehr als nur überzeugend. Wie schön das Notizbuch ist, ist unten zu sehen – es würde sich auch als Dekorationsgegenstand oder Sammelobjekt eignen.
Das Papier ist dick, glatt, gleichermaßen kugelschreiber-, bleistift-, füller- und filzstifttauglich und entspricht in etwa der Qualität, die für Notizbücher im oberen Museum-Merchandising verwendet wird. Selbst bei stärkerem Tintenfluss und starkem Druck scheint nichts durch.
Der Druck der Lineatur ist perfekt, die Liniendicke und -farbe sind elegant und praktisch zugleich.
Das Gummiband ist straff und bleibt es auch, was nicht selbstverständlich ist.
Einziger, allerdings winziger Kritikpunkt ist die Spiralbindung. Ich kann nicht genau ermitteln, ob das Buch schlicht zu viele Seiten enthält, das Papier zu dick ist, oder die Lochung leicht versetzt oder größer werden müsste, aber die Seiten haken manchmal ein wenig beim Blättern.
Abgerundet wird das Notizbuch durch ein schönes Kartontäschchen zur Aufnahme loser Zettel und ein Vorblatt aus demselben Material.
TextLoft hat nun zum allerersten Mal ein eigenes Notizbuch.

Insgesamt ist mein-notizbuch.com ein gelungenes, durchdachtes und erfrischendes Konzept mit einem ganz außergewöhnlichen Preis-/Leistungsverhältnis und einer beeindruckenden Produktqualität. Die Notizbücher sind bei weitem keine reine Spielerei, sie eignen sich durchaus als hochwertiges Geschenk für Privatpersonen oder Unternehmen. Übrigens können auch Terminplaner gestaltet werden.

HIER sind die Notizbücher zu finden.

Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle an www.mein-notizbuch.com für diese Gelegenheit – und insbesondere an Stephanie für den ausgesprochen netten Kontakt .

Ein schöner Anblick

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Noch schöner – ohne das Bändchen

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Detailbild: Verschlussband

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Die Innenseite des Einbands

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Das Vorblatt

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Die erste Seite

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Seitenblock 1: in meiner Auswahl liniert

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Detailbild: mit kleinem Rand

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Detailbild vom Seitenblock 2: ohne Rand, um den Unterschied zu zeigen

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Seitenblock 3: blanko, um zu sehen, wie solche Seiten wirken

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Dokumententäschchen aus hochwertigem Karton

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Die Rückseite

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Warum ich Notizbücher liebe

Dass Notizbücher meine besten Freunde wurden, war keine Selbstverständlichkeit und stellte sich erst relativ spät heraus.
Als ich klein war, beneidete ich immer die Schüler der höheren Klassen, die nicht angehalten waren, Hefte zu benutzen und auf lose Ringbuchblätter schreiben durften. Die losen Blätter wurden für mich zum Symbol des Erwachsenseins und der damit verbundenen Freiheit, und ich war heilfroh und stolz, als auch ich endlich in die Klassenstufen kam, in denen jeder seine Schreibmaterialien so wählen konnte, wie er wollte. Die losen Blätter wurden zur demonstrativen Form meiner ganz persönlichen Emanzipation vom Kinderdasein.
Erst nach dem Studium begann ich, die praktischen Seiten von Heften und Notizbüchern wirklich zu schätzen und auch ihre optische Geschlossenheit zu genießen. Sie sind haltbarer, es fällt nichts heraus, man muss die Seiten nicht einmal nummerieren. Allein das Heraustrennen einer unerwünschten Seite ist manchmal etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Es entfällt die Notwendigkeit einer Unterlage, und das Schreibgefühl ist immer gleich  – aus diesem Grund bevorzuge ich Briefpapier mittlerweile auch in Schreibblockform und meide die üblichen Schachteln.
Die gebundene Form ist etwas Unvergleichliches. Sie ist für mich viel mehr als ein rein technisches und äußerliches Merkmal. Sie gibt meinem Schreiben Halt. Sie schafft Geborgenheit  – als würde man sich in seinen Lieblingspullover einkuscheln oder in einem Lieblingssessel verkriechen. Es ist ganz egal, wo ich bin, das geschlossene Büchlein in meiner Hand oder in meiner Umhängetasche gibt mir das Gefühl, zu Hause zu sein, geschützt, sicher, fast unangreifbar. Es ist, als könnte mir nichts passieren, solange mein Notizbuch in Reichweite ist. Es ist die einzige Heimat, die ich wirklich brauche, der einzige Hafen, den ich wirklich spüre, der einzige Festpunkt, auf den ich mich verlassen kann.
In ihrer bewahrenden Eigenschaft sind Notizbücher nicht nur Archiv und Quelle. Sie sind Enklaven unserer Alltags, das Sinnbild eines einfachen, ursprünglichen und unaufgeregten Lebens. Sie haben ihre ganz eigene Treue … und ihre ganz eigene Ehrlichkeit. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Ferne und Nähe verwandeln sie zu einem abgeschiedenen Kosmos, den wir überall hin mitnehmen können. Sie sind das Meer und die Insel zugleich.
Bis ich dies begriff, hat es verhältnismäßig lange gedauert. Umso inniger wurde diese Liebe, und meine Notizbücher, -hefte und -blöcke sind heute ein Teil meiner Selbst, unentbehrlich und selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Sie sind der sinnliche Ausdruck des Schreibens.

Tintensammlung

Es begann damit, dass ich eines Tages beschloss, eine neue Tintenfarbe für meine private Korrespondenz auszuwählen. Grau- und Brauntöne kamen in Frage. Die Auswahl war groß. Zu groß. Besonders die Brauntöne machten mir das Leben schwer: Die meisten waren zu altrosig, zu schwärzlich … Nach dem perfekten Braun suche ich noch immer – obwohl Diamines Raw Sienna dem schon sehr nahekommt und im Moment täglich verwendet wird. Nach und nach schlichen sich auch andere Töne ein, die mit der ursprünglichen Suche nichts zu tun hatten. Mittlerweile ist die Sammlung wieder auf die Hälfte ihres zwischenzeitlichen Umfangs zurückgegangen, und meine Markenvorliebe hat sich gefestigt.

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In Gebrauch

Niftys Artikelreihe „Notebook Addict of the Week“ brachte mich vor kurzem dazu, mein eigenes Verhalten in der Nutzung von Notizbüchern zu hinterfragen. In der Tat war mir nicht bewusst, wie viele ich überhaupt in Gebrauch habe und wie oft ich jedes einzelne verwende. Nach einer Art „Inventur“ entdeckte ich Erstaunliches: Ich benutze täglich wesentlich mehr Notizbücher, als ich es vermutet hätte.

Wirklich täglich – genauer gesagt mehrmals täglich – gebrauche ich das, was ich als „Ideenhefte“ bezeichne. Ein besonders kleines im A6-Format wurde von einer Freundin für mich liebevoll gestaltet, und seit sie es mir geschenkt hat, begleitet es mich überallhin und folgt mir auch innerhalb der Wohnung von Raum zu Raum. Es fängt alle Text-, Blog- und Projektideen unsortiert und unformatiert auf. Leider wird es bald ausgeschöpft sein, und es wird eine sehr harte Trennung werden. Papier und Lineatur sind für seinen Zweck ideal, und es ist so gut wie unersetzlich.
Als weitere Ideenhefte fungieren ein Moleskine-Reporterblock mit Softcover in A5, in dem Exposés für künftige Thriller gesammelt werden, und ein Hardcover-Exemplar in der gleichen Größe, das Ideen und grobe Gliederungen für künftige Blogartikel aufnimmt.

Ebenfalls täglich im Einsatz sind verschiedene Moleskine-Cahiers in den Größen Large und Extralarge. Eines dient dazu, telefonische Besprechungen mit Auftraggebern und Kunden festzuhalten, und ist also eine Art „Aktennotizen“-Sammelheft, ein zweites hilft, Anfragen und Vertragsverhandlungen zu notieren.

Für Buchhaltung und Auftragsverwaltung sind zwei Kladden mit französischer Lineatur reserviert. Hinzu kommen natürlich Adressbücher mit unterschiedlichen Verwendungen und ein Terminkalender, sowie ein Moleskine-Cahier, in dem Werbemaßnahmen, ihre Belege und Ergebnisse peinlich genau für das Finanzamt aufgeführt werden.

Technische Informationen zu WordPress- und HTML-Themen werden in ein kleines Moleskine-Cahier zusammengetragen und stehen als Pannenhilfe immer in der Nähe des Schreibtischs bereit.

Die tägliche Arbeit findet auf Legal Pads statt.

Auch privat dreht sich das Leben um Notizbücher – mit Moleskine-Cahiers in der Hauptrolle: zwei Garten-Logbücher,

gesammelte Mal- und Zeichenvorlagen,

eine Wunschliste mit allen Büchern, die ich mir eines Tages kaufen möchte, falls ein unerwarteter Geldsegen auf mich herunter prasseln sollte, gehören dazu.


Meine wichtigsten Skizzen und Zeichnungen wiederum befinden sich in zwei Büchern der Marke Rossi – die sich heute allerdings ganz anderen Aufgaben widmet.

Insgesamt sind es also 19 Notizbücher, die ich täglich oder beinahe täglich verwende. Ich gebe zu, dass mich diese Zahl sogar ein wenig erstaunt hat. Schreibe ich etwa zu viel?

Eine angenehme Überraschung

Feiertage sind für mich immer ein willkommener Vorwand, „echte Post“, also „Schneckenpost“, zu verschicken. Dabei lege ich auch Wert darauf, besondere Grußkarten auszusuchen, die sich durch die Qualität der Materialien, der Gestaltung und des Drucks auszeichnen. Nachdem Ostern in diesem Jahr aber mit einer sehr arbeitsintensiven Phase kollidierte und mein sonst reich bestückter und normalerweise sorgsam gepflegter Vorrat bereits Wochen zuvor zur Neige gegangen war, musste ich umdenken und ausnahmsweise Kompromisse eingehen. Aus lauter Verzweiflung bestellte ich in fast letzter Minute einen Satz Grußkarten im Shop der Deutschen Post: 10 Doppelkarten inklusive der entsprechenden Umschläge und der passenden Briefmarken für einen Gesamtpreis von 12,95 € – nach Abzug des Portos also 0,695 €/Karte + Umschlag.
Ich versprach mir davon nicht allzu viel, aber was ich als peinliche Lösung empfunden hatte, erwies sich als Glücksfall.
Die Karten wurden nicht nur in ansprechender und praktischer Verpackung mit einer wunderschönen Banderole geliefert, die sich durchaus zur Weiterverwendung eignet, sie sind auch von beeindruckender Qualität. Das Papier ist in Farbe und Oberfläche sehr hochwertig und – was bei Grußkarten alles andere als selbstverständlich ist – absolut füllertauglich. Die Feder gleitet mühelos, aber nicht zu schnell, die Tinte zerläuft nicht und die Tintenfarbe bleibt perfekt erhalten. Das Druckbild der Kartenmotive ist scharf und glänzend, was man von den Produkten anderer Vertreiber ähnlicher Sets bei weitem nicht immer behaupten kann. Die mitgelieferten Briefumschläge sind zudem gefüttert, die Verklebung ist einwandfrei und die Gummierung professionell und frisch.
Einzig bedauerlich ist das sehr aufdringliche Logo auf der Rückseite der Doppelkarte, das den Eindruck vermitteln könnte, es handele sich um ein weiterverschicktes Werbegeschenk. Eine weniger plakative Anbringung wäre eindeutig von Vorteil und sicherlich auch verkaufsfördernd.
Besonders sinnvoll ist neben der Zusammenstellung als Komplettset die Tatsache, dass jeder Satz fünf verschiedene Motive beinhaltet, so dass selbst bei kleinem Bedarf und zeitlich ausgedehntem Verbrauch eines Päckchens die Wahrscheinlichkeit, demselben Empfänger versehentlich oder aus Not zweimal das gleiche Motiv zukommen zu lassen, sehr gering ist.
Insgesamt also ein überraschend gelungenes Angebot, das auch diejenigen überzeugen dürfte, die aus Kostengründen den Kauf von Grußkarten scheuen.

Ein violettes Madeleine

Es ist schon seltsam: Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, verbinden sich meine Erinnerungen unweigerlich mit Papier, Tinte und Schrift. Ich sehe noch vor mir, wie sich die Seitenecken der Schulhefte unter dem zu starken Druck des Kugelschreibers widerspenstig zusammenrollen. Ich rieche noch den Duft frisch angespitzter Buntstifte. Ich höre noch das leicht entnervte Kichern einer ganzen Klasse, wenn das hektische Scharren meines Füllers wieder einmal bis in die hintersten Reihen zu hören war.
Unvergleichlich aber bleibt ein Geruch, dem ich lange nachgetrauert habe.

In der Ersten Klasse war zu meiner Zeit der Gebrauch von Stahlfedern Pflicht. Erst ein Jahr später wurde diese vermeintlich unzumutbare Art des Schreibenlernens als nicht mehr zeitgemäß verbannt, und eine von vielen Schülern begrüßte Reform schrieb vor, dass in Grundschulen künftig der Kugelschreiber zu herrschen hatte, bis sie von der nächsten abgelöst wurde und ab der 5. Klasse alle einen Füllfederhalter zu besitzen hatten. Diese kratzenden, etwas rostigen Dinger und die fleckigen Tücher, mit denen sie abgewischt wurden, habe ich nicht vermisst. Ein wenig Wehmut aber spürte ich beim Anblick der in den kleinen Tischen eingelassenen Porzellannäpfchen, die nunmehr auf ewig leer, verlassen und nutzlos bleiben sollten. Hatte ich die ständig verschmutzten Finger und den ungleichmäßigen Tintenfluss der alten Federn gehasst, den ich zu beherrschen nie in der Lage war und der mir ein tägliches Ärgernis war, so hatte ich umso mehr den Duft der Tinte geliebt, die jeden Morgen, nur wenige Minuten, bevor wir den Klassenraum betraten, mit einer uralten Messingkanne, die den Rest des Tages ihr Dasein auf der Fensterbank neben einem halb vertrockneten Weihnachtskaktus fristete, in die kalten weißen Töpfchen eingegossen wurde. Er füllte die ganze Schule – frisch, eisig, beißend und vertraut. Jahre später hing er noch in der Luft, als würde das alte Holz der Tische ihn noch ausströmen.

Die Zeit verging, und ich hatte nicht erwartet, ihn jemals wieder zu erleben – schließlich haben heutige Tinten andere Zusammensetzungen -, bis ich zufällig Noodler’s North African Violet entdeckte.
Als ich das Gläschen öffnete, entfloh eine ganze Bäckerei voller Proust’scher Madeleines, die mich zurück zu den knisternden Kladden brachte, zurück zu dem ungeduldigen Ticken der Kreide auf der damals wirklich schwarzen Tafel, zurück zu dem kreischenden Tumult des Pausenhofs und seinen schützenden Platanen, zurück zu der knarrenden Tür des Materialschranks, zurück zu den weichen rosafarbenen Löschblättern …
Die Farbe der Tinte stimmt übrigens nicht mit der von damals überein – hier kommt Herbins Stiefmütterchenviolett der Sache bedeutend näher. Aber ihr Duft schenkte mir eine magische Zeitreise.

Die Briefe der Annie Vought

Oberflächlich betrachtet könnten ihre Papierschnitte rein dekorative Funktion haben. Zu leicht könnte ihr Werk als der bloße Versuch missverstanden werden, die Schönheit der Schrift als grafisches Element zu demaskieren. Doch Annie Vought geht es um mehr: Die Texte, derer sie sich bedient, sind nicht ihre eigenen, die Handschriften zeugen von anderen Leben, Die filigrane Schnittarbeit ist eine respektvolle, demütige Annäherung an das Medium, eine ganz persönliche, sensible, bewundernd-konservatorische Geste der zwischenmenschlichen Verbindung, die sich in ihrem Material, dem Brief, unvergleichlich unverfälscht zu enthüllen vermag. Botschaft und Handschrift werden als die entblößendste Ausdrucksform zugleich seziert, erhöht und bewahrt. Die Linie der Buchstaben, die durch den Schnitt zu dem eigentlichen Band zwischen dem Schreiber und dem Betrachter wird, schwebt gelöst von Raum und Zeit in ihrer reinsten Form.

Ich möchte Annie Vought ausdrücklich und ganz herzlich für den ausgesprochen netten und unkomplizierten Austausch in der Vorbereitungsphase dieses Artikels sowie auch für die Erlaubnis danken, die hier gezeigten Bilder zu veröffentlichen.

Sehr zu empfehlen sind die Homepage und das Blog der Künstlerin.

In other Words

I took the girl to walk in circles

I cared that things were weird between us