Das Buch der Blogger – zurück zur Schrift
23. Mai 2009 von Martine Paulauskas
Ein überaus reizvolles und intelligentes Projekt beschäftigt zur Zeit die Bloggerwelt. Es geht um die Rückkehr zur Schrift in ihrer ursprünglichsten Form.
Das Prinzip ist einfach. Von Berlin aus soll ein Moleskine-Buch an freiwillige und ausgesuchte Teilnehmer verschickt werden, in dem Blogger sich jeweils auf einer Seite mit Gedanken, Kritzeleien, Collagen, und was ihnen sonst einfällt oder wichtig ist, verewigen dürfen. Das Buch wird dann einer gesteuerten Liste folgend von Blogger zu Blogger weiter verschickt werden, idealerweise bis es vollgeschrieben oder -gezeichnet an den Initiator zurückgesendet wird, um dann für einen guten Zweck versteigert zu werden. Bloggen offline und gemeinschaftlich.
Was so unter dem Namen BUCH DER BLOGGER präsentiert wird, ist nicht nur ein faszinierendes Experiment – erinnert es doch in gewisser Hinsicht an die von Klaus Hömberg im Frankfurter Museum für Kommunikation 2001 präsentierte Sammlung “DIN ART 4 - 560 Künstler und ein Formular” –, sondern auch Grund zu Optimismus. Auch in virtuellen Zeiten ist das Handgeschriebene also nicht ganz vergessen. Ganz im Gegenteil findet die Idee in den relevanten Foren, die bekanntlich eher von den jüngeren Generationen besucht werden, großen Zuspruch: Die Anzahl der Bewerber und Interessenten steigt täglich, der Erfolg scheint zum Greifen nah.
Auch das gewählte Medium ist nicht gerade für die im Allgemeinen hier angesprochene Altersgruppe typisch: Die Entscheidung fiel ausgerechnet zugunsten des legendären und zeitlosen Moleskine-Hefts, das somit, nachdem es in den letzten Jahren allzu häufig zum demonstrativen Ausdruck modebewussten Snobismus’ wurde, hier zu seiner eigentlichen Bestimmung zurückfinden kann. Hemingway würde es uns danken.
Als positiv zu verzeichnen ist ebenfalls, dass die Kommentare und Bewerbungen, die auf der Homepage eingehen, mitunter von einer im Web 2.0 ansonsten verloren gegangenen stilistischen Qualität und einem ungewohnten Sprachwitz zeugen.
Dem Projekt sind rege Beteiligung und ein glücklicher Abschluss zu wünschen. PAPIER-TINTE-SCHRIFT wird weiterhin darüber berichten.
Bild: Marcus O. Mielke - mit freundlicher Genehmigung
Vielen, vielen Dank!
Ich werde noch ganz rot.
Beste Grüße
Marcus
[...] Papier - Tinte - Schrift In der digitalen Zeit ist das ein schönes Projekt, das auch au die alten handwerklichen Methoden [...]
Der millionen überflüssiger Blogs - der eigene eingeschlossen - überdrüssig, finde ich die Idee bemerkenswert. Da Getippseltes mehr und mehr zur Cut’n-Paste-Wüste ‘adaptierter’ Ideen verkommt, bedeutet die handschriftliche Äußerung einen Einblick, der tiefer geht als wohlfeile Wortkaskaden in der Beliebigkeit allgegenwärtiger Rechtschreibprüfungen und textlicher Bastelarbeit. Wer aber Handschriftliches nur auf ein Revival alter handwerklicher Methoden reduziert, greift zu kurz.
Es wäre schade, wenn daran Menschen teilnehmen können, die sich bewerben. Schöner der Gedanke, dass die Teilnahme gewissermaßen ‘verliehen’ würde für Verdienste um Text und Inhalte, die aus dem sozialen Rauschen der Grundgesamtheit abheben und zu irritieren, zu überraschen und zu faszinieren verstehen.
Was aber wird heute als Sprachwitz missverstanden? Geht eine Frau zum Arzt…